Kleine Geschichte Alaskas
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Besiedlung und Völker:


Besiedlung

Alaska, als geographisch dem russischen Festland nächstgelegener Anteil Amerikas, war naturgemäß die Eintrittspforte für die Besiedlung des amerikanischen Kontinents. Über die Bering Landbrücke (Beringia) kamen asiatische Volksstämme über Sibirien nach Westalaska und starteten die Besiedlung bereits ab ca. 16 000 vor Christus in mehreren Wellen. Die gewaltigen Distanzen innerhalb des Landes erklären, dass die einzelnen Völker sowohl in Kultur als auch Sprache vollkommen verschieden sind. Grob kann man die Urbevölkerung in Indianer und Inuit einteilen. Die Indianer gliederten sich wiederum in die Küstenstämme Südostalaskas und die Athabasken, deren Territorien sich im Landesinneren befinden. Man nimmt an, dass die indianischen Stämme Abkömmlinge der ersten Besiedlungswelle Alaskas sind. Im Gegensatz dazu wanderten die Inuit (Eskimos), die wiederum in Inupiat und Yup’ik eingeteilt werden, zu einem späteren Zeitpunkt ein. Dasselbe gilt auch für die Einwohner der Aleuten.

Die Landbrücke Beringia verschwand gegen 10.000 vor Christus, als das Ende der Eiszeit den Meeresspiegel anhob und Asien und Amerika in zwei Kontinente trennte.


Eskimovölker

Die Inupiat (auch Inupiaq) bewohnen den Nordwesten Alaskas. Diese Stämme, deren Siedlungsgebiete ursprünglich bis weit ins Landesinnere reichten, wurden teilweise durch Hungersnöte und später auch durch Grippewellen, die die europäischen Walfänger über das Land brachten, an die Küste getrieben. Erst später (in den 1930iger Jahren) kehrten Teile der Inupiat wieder zurück ins Landesinnere, eine Ortschaft aus dieser Zeit ist Anaktuvuk Pass ("Ort der Karibu Losung") in Nord-Zentralalaska. Der Name dieses Ortes gibt Aufschluss über die wahre Identität der Inupiat - sie waren vornehmlich Jäger.

Auch heute noch sind die Inupiat in hohem Maße mit Jagd und Fischerei verwurzelt, weshalb die Auswirkungen des Klimawandels auf die nördliche Hemisphere eine besondere Bedrohung für sie darstellt. Mit dem Rückgang des Packeises gehen die Bestände vieler Tiere langsam zurück, und die Jagd auf sie wird zunehmend gefährlich.

Bekannte Inupiat Ortschaften sind Unalakleet (sprich "You-na-la-thliq"), was in Inupiat Sprache bedeutet "wo der Südwind bläst“ und Barrow, der nördlichste Ort Alaskas.

Yup’ik (auch Yupiit) bezeichnet die Eskimostämme West- und Südwestalaskas, vom südlichen Norton Sound und dem Yukon Delta bis Alaska Peninsula. Sie bilden eine große Gruppe der Eingeborenen in Alaska und haben ihre eigene Sprache. Insgesamt gibt es vier Yupik Gruppen, zwei davon leben heute noch in Sibirien (Naukan und Sibirische Yupik).


Indianervölker

Die Familie der Athabasken lebt über ein riesiges Gebiet verstreut. Man trennt Nord- und Südathabasken. Während die nördlichen Stämme von Zentralalaska bis weit hinein ins kanadische Territorium verstreut sind, gibt es auch eine athabaskische Population im Süden der USA an der Grenze zu Mexiko. In Alaska allein finden sich viele Untergruppierungen mit elf verschiedenen Dialekten (Ahtna, Dena’ina, Deg Hit’an, Koyukon, Kolchan, Lower Tanana, Tanacross, Upper Tanana, Gwich’in, Han).
Auch heute halten die Athabasken teilweise an ihren alten Traditionen fest. Im Sommer leben sie vorwiegend vom Fischfang, den sie von Fischcamps, die meist viele Kilometer von ihren Dörfern entfernt liegen, bewerkstelligen. Im Winter hingegen gehen sie auf die Jagd nach Elchen und Karibus. Leider greift auch hier der westliche Einfluss immer mehr um sich, sodass die eigene Sprache und Kultur nach und nach verloren gehen.

Ein weiterer Indianerstamm sind die Tlingit, die ihr Siedlungsgebiet an der Küste Südost- Alaskas haben. Durch den traditionellen Handel mit Athabasken Stämmen gab es auch einige Gruppen, die bis hin zum Teslin River/Yukon Territory, bzw. Atlin River/British Columbia vorgedrungen sind. Die Kultur der Tlingit fußte auf einem gut verankerten philosophischen und religiösen System, das allen Tlingit die Grenzen ihres Handelns und die Art des Umgangs mit der Umwelt vorgab. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts konvertierten sie allerdings fast vollständig zum russisch-orthodoxen Glauben, angesichts der Tatsache, dass ihre Schamanen machtlos gegen die Pockenepidemien waren.

Eine weit geringere Population stellen die Haida die einige Gebiete im Südosten Alaskas bewohnen, die Tsimshian, die erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor Verfolgung aus Kanada flohen and sich auf Annette Island niederließen, sowie das Volk der Aleuten.


Kolonialisierung:


Der erste Kontakt – die russische Periode

Die ersten Europäer, die Alaska betraten, gingen mit einer russischen Expedition unter dem Dänen Vitus Bering im Jahr 1741 an Land. Diese zweite Kamtchatka Expedition kehrte mit reicher Beute, in Form von Seeotterpelzen in die Heimnat zurück. Vitus Bering, der große Entdecker starb allerdings noch auf der Reise an Skorbut, nachdem eines seiner zwei Schiffe an der Awatscha-Insel gekentert war.

Weitere Expeditionen wurden bis ins 19. Jahrhundert entsandt, so auch eine Reise unter dem deutsche Otto von Kotzebue, einem weiterer Ausländer in russischen Diensten, der über 400 Inseln kartographierte und den nach ihm benannten Kotzebue Sound entdeckte.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde die russisch-amerikanische Gesellschaft gegründet, um sich der Pelze in der neuentdeckten Kolonie zu versichern. Einige Handelsposten und später auch permanente Siedlungen wurden gegründet, die russisch orthodoxe Kirche entsandte Missionare. Spuren aus dieser Zeit findet man noch heute in einigen Orten Alaskas, so zum Beispiel auf Kodiak Island, den Aleuten und in Südostalaska. Dort spielt auch die russisch-orthodoxe Kirche immer noch eine Rolle.

Doch die Russen wurden nicht glücklich mit ihrer Kolonie, die Jagd war aufwendig und der Pelzhandel aufgrund der Abhängigkeit von amerikanischen Transportschiffen und der Entfernung zum Mutterland wenig profitabel. Finanziell geschwächt durch den Krimkrieg (1853-1856) gaben die Russen Alaska schließlich auf und verkauften es 1867 an die USA.


Auch Spanien und England sind interessiert

Im Glauben an ihren Anspruch auf die gesamte amerikanische Pazifikküste entsandten die Spanier gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehrere Expeditionen von Mexiko aus nach Norden. Außer einigen Ortsnamen, darunter Valdez, der Ölumschlaghafen im Süden Alaskas, und der Malaspina Gletscher, der größte außerpolare Gletscher der Welt, erinnert allerdings nicht viel daran.

Die Engländer erforschten das Land auf zwei Wegen, zum einen auf dem Land durch einige Handelsposten der Hudson Bay Company, wie Fort Yukon, zum anderen im Rahmen von Expeditionen zu Wasser, unter anderem durch James Cook.


Der Handel

Im Jahr 1867 ist es soweit, mit einer Stimme Mehrheit im amerikanischen Kongress wird der Kauf Alaskas für 7,2 Millionen US Dollar (nach heutigem Geld  ca. 92 Millionen USD und damals weniger als 5 Cent pro Hektar!) von den Russen erworben. Der Kauf war in den USA sehr unpopulär und der russische Botschafter musste sogar mit seinem Privatvermögen einige Politiker und Journalisten “überzeugen”. Heute, angesichts der riesigen Erdölfelder im Eismeer, kann man allerdings sicher sein, dass die Amerikaner damals das Geschäft des Jahrtausends gemacht haben!

Unter amerikanischer Verwaltung wurde nun die Erforschung des Landes vorangetrieben, Telegraphenleitungen entstanden, Handelsposten wurden entlang vieler Flüsse im Inland errichtet. Die Besiedlung kam allerdings erst mit dem Goldrausch am Klondike/Kanada (1896) und etwas später in Nome (1899) in Gang. Städte wie Fairbanks wurden errichtet, die Eisenbahn zwischen Fairbanks und Seward, benannt nach dem Außenminister, der den Handel um Alaska mit den Russen ausgehandelt hatte, wurde gebaut. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts waren noch immer viele Orte im Winter nur mit Schlittenhunden erreichbar, der Flugverkehr entwickelte sich erst langsam. In diese Zeit fällt auch die Diphtherieepidemie in Nome (1925), die nur durch den heldenhaften Einsatz von Mushern und ihren Hundegespannen, die das lebenswichtige Antitoxin im Winter in die Stadt an der Beringsee transportierten, eingedämmt werden konnte. Das weltberühmte Iditarod Rennen, das größte Schlittenhunderennen der Welt, erinnert noch heute daran.


Der 49. Bundesstaat:


Im Juni 1942 besetzten die Japaner die Alëuten-Inseln Attu und Kiska, in blutigen Schlachten wurden diese wieder zurückerobert. Während und nach Ende des zweiten Weltkrieges erlangte Alaska immer mehr strategische Bedeutung, die Städte waren während des Krieges ausgebaut worden, der Alaska Highway wurde 1942 von der Armee als Straßenverbindung zu British Columbia gebaut. Die militärische Präsenz wurde stark verstärkt und das sollte, durch die Nähe zum neuen Feind, der UdSSR, auch nach dem Krieg so bleiben. Die anfangs unsichere Wirtschaftslage stabilisierte sich ebenfalls durch erste Ölfunde 1957 und somit stand der Ernennung zum 49. Bundesstaat im Jahr 1959 nichts mehr im Wege.

Der heutige Reichtum des Bundesstaates basiert zu etwa 70 Prozent auf den Erträgen aus den Ölfeldern im Eismeer und wurden durch den Bau der Transalaska Pipeline in den 70iger Jahren des 20. Jahrhunderts erst zugänglich gemacht. Auf 1300 Kilometern läuft die Pipeline auf Stützen zur Schonung des natürlichen Terrains und in Zick-Zack Linien, als Schutz vor Erdbeben, von Prudoe Bay bis nach Valdez, der Hafenstadt im Süden. Die acht Milliarden Dollar Entstehungskosten der Pipeline sind mittlerweile schon längst amontisiert und die Ölindustrie plant bereits weitere Bohrungen, diesmal allerdings im Arctic National Wildlife Refuge, einem riesigen Naturschutzgebiet im Norden Alaskas. Bisher konnte dies nur durch die Vernunft einiger Politiker verhindert werden. Für die Natur und die darin lebenden Tiere wäre die Umsetzung des Planes allerdings eine Katastrophe.

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